Gelber Pfeil - Wegmarkierung für den Jakobsweg Jakobsweg
Artikel über meine Pilgerreise
auf dem Camino Frances
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Jakobsweg / Magic-Camino:  
 Kurzbericht der Pilgerreise
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Kurzbericht Jakobsweg
 

Auf Hapes Spuren auf dem Jakobsweg / Camino Francés

auf dem JakobswegSchon vor dem Erscheinen des Buches von Hape Kerkeling
habe ich mich mit dem Gedanken getragen, auf den Jakobsweg zu gehen, die Lektüre des Buches "Ich bin dann mal weg" hat aber am Ende doch einige Bedenken ausgeräumt, sich auf diesen Pilgerweg zum begeben.

auf dem Jakobsweg Seit vielen Jahren hatte ich die Idee, einmal eine Fernwanderung durch Europa zu machen. Den ersten Kontakt mit dem Jakobsweg hatte ich dann im Frühjahr 2006, dort bin ich dann zum ersten Mal auf eine Markierung für den Jakobsweg auf dem

auf dem Jakobsweg - noch 100 km
 

Amper-Ammer-Radweg gestoßen. Kurze Zeit später entdeckte ich durch Zufall im Internet die Bedeutung dieser Markierung und habe im Internet und in Büchern alsbald viele Informationen über den Jakobsweg gesammelt. Die Weg-Markierung sieht übrigens für den neutralen Betrachter aus, wie eine gelbe Sonne mit Strahlen in eine Richtung auf blauem Grund, soll aber eine stilisierte Jakobsmuschel darstellen.

auf dem Jakobsweg Entschluss gefasst, Anfang Mai gings dann nach intensiver Vorbereitung endlich los, schon am Busbahnhof in München Fröttmanning lernte ich die ersten beiden Pilger kennen und nach 1 1/2 Tagen Anreise mit dem Bus über San Sebastian nach Bayonne und der Bahn nach Saint Jean Pied de Port in Frankreich war es bereits eine große Anzahl neuer Pilgerbekanntschaften.
Die erste Etappe des Caminos war dann auch gleich die schwerste Etappe und mit 12 kg auf den Rücken ist die Überquerung des Passes auf den Spuren Napoleons und Karls des Großen bis nach Roncevalles ein hartes Stück Arbeit, so muss man dabei ca. 1400 Höhenmeter überwinden. Im Frühjahr muss man zudem mit Wetterumstürzen, rechnen, so berichteten auch Pilger, die Tage nach uns den Pass überquerten von Regen, Nebel und Schneefall.

auf dem JakobswegDer Camino Francés ist nicht nur ein christlicher Pilgerweg mit einer starken spirituellen Ausstrahlung durch Spanien, der gut markiert und mit guter Infrastruktur versehen ist, sondern auch ein Weg mit abwechslungsreicher Natur der durch historisch interessante Städte wie Roncevalles, Burgos, Leon und Astorga nach Santiago führt.

auf dem JakobswegUm eine Begriffsverwirrung zu vermeiden sollte man erwähnen, dass der Camino Francés, der wichtigste Teil des Jakobswegs ist, der von den Pyrenäen in Frankreich ( an der Grenze zu Spanien ) nach Santiago de Compostela führt. Als Jakobsweg werden aber auch die "Wege zum Jakobsweg" benannt, die von überall in Europa nach Santiago führen.

auf dem JakobswegVon Frankreich aus sind es insgesamt ca. 800 km nach Santiago und entlang des Wegs findet man ein enges Netz von bernachtungsmöglichkeiten, so dass man meist seine Etappenlänge individuell gestalten kann.

auf dem JakobswegJedem "sein Camino" so erhält man bei der Frage nach den Gründen doch jedes mal eine neue Antwort. Es finden sich hier neben christlicher Motivation auch esoterische/spirituelle Gründen bis zu reinem sportlichem Interesse. Man begegnet hier Menschen aller Altersklassen und aus der ganzen Welt, so konnte ich hier Menschen aus Finnland bis Italien, von Portugal bis Russland und auch noch weit über Europa hinaus aus Tasmanien bis Japan, USA oder Brasilien kennenlernen. Für jeden bedeutet dieser Weg etwas anderes, doch führt er am Ende alle zusammen und schafft nach vielen Entbehrungen und gemeinsamen Erfolgen ein starkes "WIR-Gefühl" unter den Pilgern. Viele Menschen sagen, dass man den Camino daheim weiterleben soll: Offenheit, Respekt und Rücksicht gegenüber den Mitmenschen könnten auch in unserem Alltagsleben den Lebenswert des Menschen in unserer Gesellschaft bedeutend steigern.

auf dem JakobswegMein Camino gestaltete sich dann also in 31 Tagesetappen von durchschnittlich 25 km am Tag. Die günstigen Herbergen werden meist von freiwilligen "Hospitaleros" geführt und waren entgegen anderer Informationen durchwegs sauber und gepflegt. An die vollgestopften Zimmer mit 6 bis 160 Betten (oft mit Stockbetten), die knappen sanitären Einrichtungen, das Schnarchen des Nebenmann's und an das Tüten rascheln in aller Herrgott's Früh der Frühaufsteher mit Stirnlampe muss man sich allerdings erst gewöhnen und erfordern viel Toleranz. Frühstück gibt es oft erst nach einem ersten Marsch im Morgengrauen. Man wandert alleine oder in Gruppen und lernt täglich neue Menschen auf dem Weg kennen.

auf dem JakobswegAn den meisten Tagen kommt man bereits bis 14.00 Uhr in der nächsten Pilgerherberge an, dann heißt es "Wäsche waschen" "Duschen" "Ausruhen" oder noch etwas "Sightseeing", um dann Abends das Pilgermahl selbst zuzubereiten oder die günstigen Angebote der meist in der nähe liegenden Restaurants zu nutzen. Vom ersten Tag an ist man voll mit dem Wandern und dem Drumherum beschäftigt und es ist kaum Zeit, über die Dinge von daheim Gedanken zu machen. Das Alltagsleben tritt schnell in den Hintergrund und man verbringt die Zeit auf dem Camino sozusagen in einer anderen Welt.

auf dem JakobswegIn einigen "Alberguen", die von Camino-Enthusiasten geführt werden, ist der besondere Spirit des Jakobsweges am deutlichsten zu spüren. Dort wir oft gemeinsam gekocht und auch gemeinsame Andachten gehalten. In vielen Orten werden auch abends Pilgermessen angeboten. Besonders erwähnenswert war hier das Nonnenkloster in Leon, das neben Unterkunft auch eine spät abendliche gemeinsame Messe für die Pilger und die Schwestern angeboten hat.

auf dem JakobswegDer Camino gibt und der Camino nimmt, so eine alte Pilgerweisheit. Nach 14 Tagen ohne Blasen oder körperlichen Problemen hat mich der Ehrgeiz dazu angetrieben, die Etappendistanz immer mehr zu steigern und dabei einige Freunde hinter mir zurückzulassen, bekam aber dann völlig ohne Vorwarnung eine starke Tendinitis (Sehnenscheidenentzündung) im Fuß, mit der ich nur noch kurze Strecken unter Schmerzen laufen konnte. So wurde ich von meinen Freunden wieder eingeholt und ich war froh, nach einigen Tagen wieder die normalen Wegstrecken fast ohne Schmerzen zu schaffen und bis zum Ende - mit meinen Freunden - weitermachen zu können. Fast alle Pilger bekommen nach einiger Zeit irgendwelche Probleme mit den Bändern, mit den Knien, den Hüften, Rückenbeschwerden oder/und Blasen an den Füßen und es gibt nicht wenige, die aufgeben müssen. Einige Pilger wandern auch nur eine Teilstrecke, um dann im kommenden Jahr ein weiteres Stück zurückzulegen.

auf dem JakobswegÜberraschend war für mich das Wetter in Nordspanien. Eigentlich war ich schon vorgewarnt, laut Statistik gibt es in dieser Region im Mai ca. 10 Regentage und Temperaturen zwischen 8-16 Grad, trotzdem hatte ich mich mehr auf Hitze und Staub vorbereitet. Nur drei Mal konnte ich die Sonnencreme bis Santiago gebrauchen, dafür fast täglich den Regenponcho.

auf dem JakobswegAnfang Juni war es dann soweit und mit Freunden aus Deutschland und Italien sind wir an einem Sonntag Morgen in Santiago de Compostela angekommen. Wie unter Drogen läuft man zum lange anvisierten Ziel, zur Kathedrale. Der Jubel ist groß und alle Pilgerfreunde liegen sich in den Armen. Als nächstes läßt man sich die "Compostela" ausstellen, das Dokument, das offiziell die Pilgerschaft bestätigt. Daran anschließend haben wir die Pilgermesse in der Kathedrale besucht. Zum Brauch der Pilger gehört auch, die Statue des Apostels Jakobus, dessen Reliquien in der Kathedrale aufbewahrt werden, zu umarmen und zu küssen. Dem Brauch, mit der Stirn dreimal an die Statue des genialen Baumeisters Mateo zu klopfen, um etwas von dessen Genialität auf sich zu übertragen, konnte man leider nicht nachkommen, da diese Statue - wohl um weitere Schäden durch Kopfnüssen von Pilgern zu verhindern - abgesperrt war. Schade, wer hat denn schon zuviel an Genialität.

auf dem JakobswegNun wird aber der Erfolg gefeiert, so nimmt man sich hier besser eine private Unterkunft, denn in den Pilgerherbergen wird, wie in Jugendherbergen, um 22.00 Uhr abgesperrt. Die erste Nacht dauert die Fete bis in die Morgenstunden, am nächsten Tag endet die Party aber schon deutlich früher.

auf dem JakobswegZu schön um jetzt aufzuhören kann man das Ende noch etwas aufschieben, indem man in Santiago nochmal seinen Rucksack packt und in drei Tagesetappen zu Fuß weitere 90 km nach Fisterre, dem mittelalterlichen Ende der Welt, aufzubrechen. Dort angekommen verbrennt man an den Klippen der Steilküste bei Sonnenuntergang seine Kleidung - oder auch nur Teile davon - nimmt ein Bad und sieht den Sonnenuntergang, um dann am folgenden Tag als neuer Mensch zu erwachen.

auf dem JakobswegHier hat die Pilgerschaft dann ein wirkliches Ende und die Wege, die hier so zahlreich und aus aller Welt zueinander gefunden haben, trennen sich wieder und so manche Träne wird hier geweint.


auf dem JakobswegNoch ein Ausblick:
Auf Hapes Spuren sind sehr viele deutschsprachige Pilger unterwegs aber es kommen aus allen christlichen Länder mehr und mehr. Inzwischen gibt es sogar viele Asiaten die den Camino gehen. Wie lange dieser Pilgerboom anhält kann man schwer vorhersagen. Meiner bescheidenen persönlichen Vorhersage nach dürften mit einem stetig steigendem internationalem Interesse und auch einen stetig zunehmenden Pilgerstrom zu rechnen sein. Der Camino liegt voll im Zeitgeist und hat neben der spirituellen Aussage auch eine europäische und sogar internationale Message, außerdem befriedigt er viele aktuellen Trends, so den Trend, etwas in Natur zu unternehmen, sportlich aktiv zu sein, den Wunsch für längere Zeit ein Aus zu nehmen, als auch die Suche nach Sinn und Wert in unseren modernen hektischen Welt.

Wem es auf dem Camino Francés "zu voll" werden sollte (das ist besonders im Frühjahr der Fall) und in Einsamkeit wandern möchte, dem kann man als Alternative zum Camino Francés den Camino "Via de la Plata" empfehlen, der von Sevilla nach Santiago führt und inzwischen ebenfalls eine geeignete Infrastruktur mit Wegauszeichnung und Herbergen aufzuweisen hat.

Neben dem Pilgerboon gibt es nun auch immer mehr Wege nach Santiago, so sind in den letzten Jahren neue Caminos entstanden, neben dem Camino Norte, dem Camino Nativo und dem Camino Portuges gibt es nun auch Wege von Barcelona, Valencia und von der Algarve-Küste. In wie weit diese nun voll erschlossen sind, ist mir nicht bekannt.

auf dem JakobswegIm Jahr 2010 gab es übrigens das letzte Heilige Jahr für lange Zeit. Ein heiliges Jahr gibt es wenn der Geburtstag des Jakobus am 25. Juli auf einen Sonntag fällt. Das nächste heilige Jahr folgt erst in 2021.



     
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